von Jochen Welt
Vor einigen Monaten habe ich gegenüber Landrat Bodo Klimpel angeregt, die frühere Patenschaft des Kreises Recklinghausen mit einer Bundeswehreinheit wieder aufleben zu lassen. Es würde mich freuen, wenn dieser Gedanke aufgegriffen würde. Denn ich bin überzeugt: Gerade in der heutigen Zeit wäre dies ein wichtiges Zeichen.
Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Zugleich erleben wir, wie Demokratien zunehmend unter Druck geraten – durch äußere Bedrohungen ebenso wie durch Kräfte im Inneren, die das Vertrauen in unsere freiheitliche Ordnung erschüttern wollen. Deshalb ist es wichtiger denn je, die Bundeswehr sichtbar als Teil unserer demokratischen Gesellschaft zu begreifen und ihr die notwendige Anerkennung entgegenzubringen.
Die Bundeswehr ist kein abstraktes Gebilde und kein Staat im Staate. Sie ist die Parlamentsarmee unserer Demokratie. Ihre Soldatinnen und Soldaten leisten ihren Dienst im Auftrag des Deutschen Bundestages und damit im Auftrag aller Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Sie verdienen unseren Respekt, unsere Unterstützung und den spürbaren Rückhalt der Gesellschaft.
In meiner Zeit als Landrat durfte ich erleben, wie wertvoll die Patenschaft des Kreises Recklinghausen mit den „Heeresfliegern“ in Rheine war. Sie war keine bloße Formalität, sondern gelebte Verbundenheit zwischen unserer Region und den Soldatinnen und Soldaten unserer Parlamentsarmee. Mit der Auflösung dieses Verbandes endete auch diese Patenschaft.
Heute bietet sich die Chance für einen Neuanfang. Naheliegend wäre beispielsweise eine Partnerschaft mit dem in Rheine stationierten Sanitätsregiment. Dessen Soldatinnen und Soldaten haben ihre Leistungsfähigkeit nicht zuletzt während der Corona-Pandemie eindrucksvoll im Kreis Recklinghausen unter Beweis gestellt und so den Menschen in unserem Kreis geholfen.
Eine Patenschaft – sei es mit dem Sanitätsregiment in Rheine oder einer anderen geeigneten Einheit der Bundeswehr – wäre weit mehr als ein symbolischer Akt. Sie würde die Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Bevölkerung stärken, den Dialog fördern und deutlich machen, dass Sicherheit, Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind.
Wer heute eine stärkere Verteidigungsfähigkeit unseres Landes fordert, muss auch bereit sein, den Frauen und Männern den Rücken zu stärken, die diese Verantwortung täglich übernehmen. Dazu gehören Anerkennung, gesellschaftlicher Rückhalt und die Bereitschaft, junge Menschen für den Dienst in der Bundeswehr zu gewinnen.
Frieden braucht Dialog und Diplomatie, aber ebenso die glaubwürdige Fähigkeit, unsere Freiheit und Demokratie zu verteidigen – nach innen gegen diejenigen, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung bekämpfen, und nach außen gegen jede Bedrohung. Eine erneuerte Patenschaft des Kreises Recklinghausen mit einer Einheit der Bundeswehr wäre dafür ein sichtbares und überzeugendes Zeichen.